PM vom 10.05.2016: Zentrum für Pressefreiheit: "Die Stärke liegt im gesamteuropäischen Netzwerk"

Pressemitteilung anlässlich des Deutschen StiftungsTages in Leipzig und des Medientreffpunkt Mitteldeutschland

Das 2015 gegründete "Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit" erhält weitere Förderung durch EU-Kommission

Leipzig, der 10. Mai 2016. Im Mai dieses Jahres begeht das von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig maßgeblich initiierte und entwickelte Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF) sein einjähriges Bestehen. Mit dem ECPMF hat die Presse- und Medienfreiheit in Europa eine starke Stimme aus Leipzig bekommen. Kernziel des Zentrums ist es, europäische Medienfreiheitsinitiativen und -akteure miteinander zu vernetzen, Unterstützung bei der Koordinierung der Aktivitäten zu leisten und damit die Pressefreiheit in Europa gemeinsam zu stärken. "Die Stärke des Zentrums liegt im gesamteuropäischen Netzwerk und in der Kooperation mit hochqualifizierten Partnern", erklärt Stephan Seeger, Geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung und Mitglied des ECPMF-Vorstandes.

Das ECPMF hat seit seiner Gründung im vergangenen Jahr zahlreiche Projekte initiiert und verwirklicht. "Das Zentrum hat sich durch seine erfolgreiche Arbeit inzwischen etabliert", schätzt Jane Whyatt, Projektmanagerin des ECPMF, ein. "Neben vielen weiteren Aktivitäten haben wir zum Beispiel mehrere Untersuchungen zur Situation der Pressefreiheit vor Ort in Ungarn, Deutschland und Polen durchgeführt. Und wir belassen es nicht bei Beobachtungen: Im April haben wir uns mit einer europaweiten Briefaktion über die jeweiligen Botschaften direkt an die ungarische Regierung gewandt. Und die Entwicklungen in Polen werden wir in den kommenden Wochen mit Experten in Wroclaw und Paris besprechen." ECPMF-Mitarbeiter und Stiftungs-Stipendiat Martin Hoffmann wurde im Zuge seiner Untersuchung zur "Lügenpresse-Bewegung" in Deutschland und den daraus folgenden Angriffen auf Journalisten als Experte zu Fachgesprächen sowohl des Kultur- und Medienausschusses des Deutschen Bundestages als auch des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger geladen.

Im ersten Projektjahr konnte das ECPMF zudem das sogenannte "Resource Centre" etablieren, eine ständig wachsende Online-Datenbank, die Inhalte zu Themen der Medienfreiheit bündelt, systematisiert und zukünftig eine Anlaufstelle für alle sein soll, die sich gezielt über Pressefreiheit in Europa informieren wollen (Das 'Resource Centre' finden Sie hier).

Besondere Aufmerksamkeit genießt im ECPMF der Einsatz für bedrohte Journalisten: "Unser 'Journalists in Residence'-Programm, mit dem wir Medienschaffenden in Gefahr Zuflucht gewähren, ist inzwischen gestartet", so Jane Whyatt. Darüber hinaus reisten Vertreter des ECPMF in die Türkei, um dort bedrohte Journalisten und Partner zu unterstützen. Zum "Welttag der Pressefreiheit" präsentierten Mitarbeiterinnen außerdem das Zentrum bei der UNESCO-Weltkonferenz in Helsinki. Das erfolgreiche Wirken des ECPMF im ersten Jahr des Bestehens führte Anfang 2016 zur Entscheidung der EU-Kommission das Zentrum weiter zu fördern.

Langer Anlauf zum Europäischen Zentrum für Presse- und Medienfreiheit
Die Anfänge des ECPMF reichen bis in das Jahr 2010 zurück. Auf dem Leipziger Medienkongress, den die Medienstiftung aus Anlass der zehnten Verleihung ihres "Preises für die Freiheit und Zukunft der Medien" im Oktober 2010 veranstaltete, brachte Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Chefredaktion des STERN und Chefredakteur Sonderaufgaben Gruner + Jahr, die Idee eines Europäischen Zentrums für Pressefreiheit in Leipzig erstmals öffentlich ins Spiel. Seine Idee wurde umgehend von der Medienstiftung aufgegriffen: "Leipzig als Keimzelle der Friedlichen Revolution im Osten Deutschlands erschien als idealer Standort: Mit unserer Stiftung gab es bereits eine Organisation, die sich seit Jahren für die Presse- und Medienfreiheit einsetzt", so Stephan Seeger, Geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung.

In 2011 begann die Erarbeitung eines Grobkonzeptes als Grundlage für die Suche nach Unterstützern für das Projekt. Es galt u. a. eine Rechtsform zu finden, die dem Zentrum ein größtmögliches Maß an Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit garantiert. Die Kanzlei CMS Hasche Sigle, die das Projekt bis zur Gründung pro bono begleitete, fand in der Europäischen Genossenschaft (SCE) die geeignete Rechtsform. "Sobald alle Voraussetzungen zur Eintragung der Genossenschaft in das Genossenschaftsregister vorliegen, geht die Rechtsträgerschaft von der Medienstiftung der Sparkasse auf die Genossenschaft über", erklärt Stephan Seeger.

Unterstützung von vielen Seiten
Um das Projekt als europäische Initiative zu etablieren, war die Unterstützung seitens der Europäischen Union von herausragender Bedeutung. Hans-Ulrich Jörges, Christoph Keese (Senior Vice President Investor Relations and Public Affairs der Axel Springer SE) und Stephan Seeger für die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig fanden im Präsidenten des Europäischen Parlamentes, Martin Schulz, sowie weiteren Mitgliedern des Europäischen Parlaments wie EU-Vizeparlamentspräsident Alexander Graf Lambsdorff und Elmar Brok (Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten des EU-Parlamentes) wesentliche Unterstützer.

Unter der Voraussetzung einer Förderung durch die EU erklärten sich der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig ebenfalls zu einer finanziellen Förderung des künftigen Zentrums bereit. Mit der Zusage der Medienstiftung für eine finanzielle Förderung war die Grundlage geschaffen, die detaillierte Projektplanung als Voraussetzung für die Antragsstellung bei der EU-Kommission zu beginnen und europaweit um Unterstützung zu werben. Neben den bereits erwähnten Förderern sagte auch das Auswärtige Amt seine Unterstützung für das Projekt zu.

Förderzusage der EU-Kommission
Im März 2015 erfolgte die Zusage der EU-Kommission aus Brüssel, dass die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig als Konsortialführer gemeinsam mit Partnern aus drei weiteren europäischen Staaten (Journalismfund.eu, Belgien; Institut für Europäisches Medienrecht, Deutschland; Ossigeno per l’Informazione und Osservatorio Balcani e Caucaso, beide Italien und die South East Europe Media Organisation (SEEMO), Österreich) den Zuschlag für das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (engl. European Centre for Press and Media Freedom - ECPMF) erhält. Henrik Kaufholz, Vorstandsvorsitzender des ECPMF, Journalist der dänischen Tageszeitung Politiken und Mitbegründer des Investigativnetzwerks SCOOP, erklärt zur Gründung des Zentrums: "Die Arbeit an unserem Projekt hat gezeigt, dass es einen wirklichen Bedarf für unsere Idee gibt: die Vereinigung von Akteuren der Medienfreiheit aus ganz Europa."

Die Gründung wurde am 24. Juni 2015 in Leipzig vollzogen. Sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat gehören Vertreter von über 20 europäischen Medienhäusern, Journalistenorganisationen und Universitäten an. Die Arbeit des Zentrums wird am Standort Leipzig auf dem Mediencampus Villa Ida, dem Sitz der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, koordiniert.

Zur Stiftungsarbeit
Die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig fühlt sich der Erinnerung an die Friedliche Revolution 1989 verpflichtet. Das Recht auf freie Meinungsäußerung war zentrale Forderung der Bürgerrechtler und der Demonstranten auf den Leipziger Montagsdemonstrationen. In Erinnerung an den Herbst 1989 vergibt die Stiftung in jedem Jahr ihren „Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien”. Zu den Preisträgern zählen Seymour Hersh, Anna Politkowskaja, The Guardian u.v.a.m. (Informationen zu allen Preisträgern finden Sie hier) Neben weiteren Preisvergaben unterstützt die Medienstiftung junge Medienschaffende durch die Vergabe von Promotionsstipendien oder berufsbegleitende Masterstudiengänge an ihrer Tochtergesellschaft Leipzig School of Media (LSoM). Die Stiftungen der Sparkasse Leipzig, zu der neben der Medienstiftung auch die Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land sowie die Sparkassenstiftung für die Region Torgau-Oschatz gehören, haben ebenso wie ECPMF und LSoM ihren Sitz auf dem stiftungseigenen Mediencampus Villa Ida im Leipziger Stadtteil Gohlis.

Weitere Informationen finden Sie unter folgenden Seiten:

https://ecpmf.eu/

http://www.mediencampus-villa-ida.de/

http://www.leipzigschoolofmedia.de/

http://www.kultur-und-umweltstiftung.de/

http://www.stiftung-torgau-oschatz.de/