Hermann Bohlen, geboren 1963 in Celle, studierte von 1986 bis 1992 Sinologie in Hamburg, Berlin und Shanghai. Schon während seines Studiums entstanden seine ersten Hörspiele, seit 1995 arbeitet er als freier Hörspielmacher. Bohlens frühe Stücke wie Gekaut!! (Bis es von alleine herunterläuft) (1990) und Die Wauwautheorie (1995) spielen mit Sprachklängen und zeigen ein pataphysisches Interesse an Sprachphilosophie. Gekaut!! porträtiert den Lebensreformer Horace Fletcher in einer Kunstsprache aus Deutsch, Plattdeutsch, Englisch, Chinesisch und Französisch; Wauwautheorie handelt von der Onomatopoesie.
Mit Prozedur 7.7.0 (1996) nutzt Bohlen - in der Tradition des von Orson Welles als Radioreportage inszenierten Hörspiels Krieg der Welten - das Originalton-Hörspiel als Fake. Bohlens Stück stellt eine Welt vor, in der Kommunikationsverweigerern zur Identifizierung Transponder-Chips implantiert werden. Wie in vielen seiner Hörspiele sprechen auch in diesem ausschließlich Laien. In Sag doch auch mal was oder Das Luxurieren der Bastarde (1998) montiert Bohlen auf Flohmärkten und anderswo gefundene private Tonaufzeichnungen und entwirft so ein 50-minütiges Panorama einer Übergangszeit zwischen dem langsam verblassenden Krieg und allmählich heraufziehendem Pop. Ähnlich verfährt er in Onager (2004), wenn er hier auch eher kammerspielhafte Situationen schafft. Waren alle seine Stücke seit Prozedur 7.7.0 nach Anweisungen des Autors improvisiert, arbeitet er in Gräser fliegen nur noch selten (2005) erstmals wieder mit einem Produktionsmanuskript. Die Süddeutsche Zeitung nannte dieses Hörspiel den "bisherigen Höhepunkt seines Schaffens". Im Jahr 2000 konzipierte und präsentierte Hermann Bohlen den Plopp-Wettbewerb für unabhängige Hörspielmacher an der Berliner Akademie der Künste, zu deren Mitglied er im Jahr 2009 ernannt wurde.
Hermann Bohlens Hörspiele wurden mehrfach ausgezeichnet, darunter u. a. mit dem Hörspielpreis der Akademie der Künste 1997, dem Deutschen Hörspielpreis der ARD 2012 und dem Deutschen Preis für Audiostories in der Kategorie "Innovatives oder künstlerisches Hörspiel" (vormals Hörspielpreis der Kriegsblinden).