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2009
2007
Andreas Ammer
FM Einheit
Friederike Mayröcker
Richard Wolf
Jürgen Becker
Hubert Wiedfeld
Eberhard Petschinka
Günter-Eich-Preis_2007_10 (Andreas Lamm).jpg

Andreas Ammer

Andreas Ammer, geboren 1960 in München, ist Autor und Journalist. Nach dem Studium von Germanistik, Philosophie und Geschichte der Naturwissenschaften promovierte er 1990. Seit 1989 ist er im Wechsel freier Autor, Universitätsdozent, Fernsehjournalist und Regisseur (u. a. ARD-Kulturmagazine und Spiegel-TV). Seit 2003 arbeitet er als Realisator der ARD-Literatursendung "druckfrisch" und produzierte daneben zahlreiche Hörspiel- und Theaterproduktionen, zumeist mit FM Einheit.

FM Einheit

FM Einheit (bürgerlich Franz-Martin Strauß) wurde 1958 in Dortmund geboren und arbeitet als Komponist, Musiker und Musikproduzent. Seit 1979 war er als Musiker in verschiedenen Formationen aktiv, unter anderem bei "Abwärts" und "Palais Schaumburg". Seit Anfang der 1980er Jahre ist er Perkussionist und Mitglied der "Einstürzenden Neubauten". Daneben komponierte er Schauspielmusiken unter anderem für Inszenierungen von Peter Zadek, Werner Schwab und Hasko Weber. Als Produzent arbeitete er unter anderem für "KMFDM" und "Goethes Erben". Daneben legte er zahlreiche Hörspielarbeiten, vor allem gemeinsam mit Andreas Ammer, vor.

Friederike Mayröcker

Friederike Mayröcker, geboren am 20. Dezember 1924 in Wien, gehört zu den renommiertesten, produktivsten und innovativsten Schriftstellerinnen deutscher Sprache. Ab 1939 veröffentlichte sie erste literarische Arbeiten, seit 1946 Gedichte, 1956 erfolgte mit "Larifari" ihre erste selbständige Publikation. Die Welt des Hörspiels betrat sie gemeinsam mit Ernst Jandl und dem Stück "Fünf Mann Menschen", das 1968 für den SWF entstand - ein knapp fünfzehnminütiges Stück, das dem sogenannten Neuen Hörspiel in Deutschland zum Durchbruch verhalf. In den folgenden Jahren entstanden in Zusammenarbeit mit Ernst Jandl noch einige weitere Hörspiele, bald jedoch auch eigenständige Werke, die, oftmals von ihr selbst stimmlich interpretiert, mit Regisseuren wie Heinz von Cramer, Klaus Schöning, Ulrich Gerhardt oder Götz Fritsch und Kompositionen von u. a. Gerhard Rühm, Mauricio Kagel und Pierre Henry realisiert wurden. Das Hörspiel müsse "akustisch befriedigen, faszinieren, reizen, d. h. der akustische Vorgang muss beim Hörer eine ganz bestimmte Reaktion hervorrufen, etwas, das in der Nähe des musikalischen Genusses liegt, aber statt von Tönen von Worten und Geräuschen ausgelöst ist", formulierte sie bereits 1969 anlässlich der Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden für "Fünf Mann Menschen" ihren Anspruch an die Gattung.

Friederike Mayröcker wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Georg-Trakl-Preis für Lyrik (1977), dem Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis (1996) und dem Georg-Büchner-Preis (2001). Seit 2015 ist sie Ehrenbürgerin der Stadt Wien. Die Jury unter Vorsitz von Wolfgang Schiffer (ehem. Hörspielleiter des WDR) würdigte Mayröckers Verdienste um die Gattung. Ihren 1969 selbst formulierten Anspruch löse ihr eigenes Radiowerk ein, Mayröcker finde "in souveräner Weiterführung von konkreter Poesie zu einer völlig eigenen Tonlage." Die Jury weiter: "Mit Stücken wie 'Die Umarmung nach Picasso' hat bei ihr das Hören das Sehen gelernt. Das Singen beherrscht es ohnehin längst im einzigartigen Werk der Friederike Mayröcker."

Ror Wolf

Der am 29. Juni 1932 im thüringischen Saalfeld als Richard Wolf geborene Ror Wolf ist ebenso Spezialist wie Universalist, der sich nicht auf eine Disziplin beschränken lässt: Er schreibt Literatur, collagiert Bilder, verfasst und montiert Hörspiele. "Im Grunde bin ich ein Hörspielautor, der gelegentlich ein Buch schreibt", sagt Wolf über sich selbst. Entsprechend breit präsentiert sich das Werk, das nach dem Verlassen der DDR im August 1953 und einem Studium der Literatur, Soziologie und Philosophie unter anderem bei Adorno und Horkheimer entstanden ist. 1958 erscheinen erste literarische Veröffentlichungen. Nach einem zweijährigen Engagement als Literaturredakteur beim Hessischen Rundfunk ist Ror Wolf seit 1963 als freier Schriftsteller tätig, dessen Romandebüt "Fortsetzung des Berichts" 1964 erscheint. 1971 wird sein erstes Hörspiel "Der Chinese am Fenster" gesendet, das später in die Trilogie "Auf der Suche nach Dr. Q." einfließt. Legendär wird Ror Wolf durch seine zehn Fußball-O-Ton-Collagen, die zwischen 1972 und 1979 entstehen. 1988 wird er für seine Hörspielbiografie "Leben und Tod des Kornettisten Bix Beiderbecke aus Nord-Amerika" mit dem "Hörspielpreis der Kriegsblinden" ausgezeichnet, "Raoul Tranchirers Bemerkungen über die Stille" wird 2007 von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum "Hörspiel des Jahres" gekürt.

"Als Liebhaber und Kenner des Jazz ist Ror Wolf ein Virtuose der Sprache und verfügt über ein geradezu musikalisches Wortverständnis. Verbunden mit einer von Phantasie überbordenden Auseinandersetzung mit der Realität, bei der durch stets neue Besichtigungsweisen und Darstellungsversuche selbst das Unwahrscheinlichste noch wahrscheinlich ist, macht ihn dies zu einem der faszinierendsten Forschungsreisenden im Gebiet der Töne, Stimmen und Geräusche. Die akustischen Erzählformen, die Ror Wolf hierbei dem Medium Radio in produktiver Auseinandersetzung mit dessen Bedingungen und Möglichkeiten abgewinnt, wirkten stilbildend auf nachfolgende Generationen und haben in ihrer zeitlosen Modernität bis heute nichts an Lebendigkeit verloren; ihre künstlerische Raffinesse und die Subtilität der Arrangements befeuern den hohen Unterhaltungswert, den jedes einzelne Hörspiel des Autors besitzt - Hörspiele, die sich in der Summe auch als eine Hommage sehen und hören lassen an das Radio als das Medium des künstlerischen Worts", begründete die Jury die Wahl des Preisträgers.

Jürgen Becker

Die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig vergibt den mit 10.000 Euro dotierten “Günter-Eich-Preis”2013 an den Hörspielautor Jürgen Becker. "Jürgen Becker zählt zu den Großen des Hörspiels. Würde der Eich-Preis turnusmäßig jährlich verliehen und nicht im Wechsel mit dem Eggebrecht-Preis alle zwei Jahre - Jürgen Becker wäre längst Preisträger!", so Stiftungsdirektor Stephan Seeger.

Der in Köln lebende Schriftsteller Jürgen Becker (Jahrgang 1932) ist eine der prägenden literarischen Stimmen des deutschsprachigen Hörspiels und hat mit seinen zahlreichen, von 1969 bis in die nahe Gegenwart entstandenen Funkarbeiten maßgeblich die Radiokunst beeinflusst. Wie man dem Namenspatron des Günter-Eich-Preises einen spezifischen Eich-Ton nachsagt, ließe sich in diesem Fall von einem Becker-Ton sprechen. Den Räumen und Landschaften nachhörend, in denen er gelebt hat, ist er zu einem Historiographen der Nähe geworden. Der vermeintlich längst bekannte Alltag wird dank Beckers Detailgenauigkeit und dank der von ihm entwickelten Sprachmusik zu einem radiophonen Echoraum, der kollektive Geschichte neu und konkret erfahrbar macht. Nicht zuletzt die Wiederbegegnung mit seinen ostdeutschen Kindheitslandschaften hat ihn während der letzten beiden Jahrzehnte zu einem poetischen Chronisten der deutschen Wiedervereinigung werden lassen. Die Jury hatte sich mit einem starken Wettbewerbsfeld auseinander zu setzen. Es lagen Einreichungen von achtzehn Kandidatinnen und Kandidaten vor, vorgeschlagen von zahlreichen Sendern und Verbänden.

Hubert Wiedfeld

Der Günter-Eich-Preis 2011 geht an den in Hamburg lebenden Hörspielautor Hubert Wiedfeld. "Über mehr als vier Jahrzehnte haben die von Hubert Wiedfeld entwickelten Stoffe und Formideen das deutschsprachige Hörspiel positiv beeinflusst und fortentwickelt", begründete die Jury die Wahl des 1937 in Braunschweig geborenen Autors und Schriftstellers.

Wiedfeld begann 1969 mit der Hörspielproduktion. Zuvor schloss er eine Bankkaufmannslehre ab und arbeitete in einer Jugendstrafanstalt sowie in einem Heil- und Pflegeheim. Erfahrungen, die er in seinen mehr als 30 veröffentlichten Stücken auch literarisch verarbeitete und aufgriff. Heute gilt Wiedfeld als einer der bedeutendsten Hörspielautoren des Landes. Die Jury urteilt dazu: "Seine Hörspiele spiegeln die deutsche Zeitgeschichte - im Großen wie im Detail - wie es selten bei einem Hörspielautor zu beobachten ist." Wiedfelds Kriminal-, Mundart- und Social-Fiction-Spiele wurden u. a. mit dem "Prix Italia" ausgezeichnet. Zur Jury gehörten die Hörspielkritikerin Eva Maria Lenz, die Leipziger Journalistin Linde Rotta, der Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen" Paul-Josef-Raue sowie der frühere Leiter der Abteilung Literatur und Hörspiel beim Österreichischen Rundfunk Konrad Zobel. Als Vorsitzender der Jury fungierte Christoph Buggert, bis 2002 Hörspielleiter des Hessischen Rundfunks.

Die Begründung der Jury : "In einer beeindruckenden Ausschließlichkeit hat der 1937 in Braunschweig geborene Hubert Wiedfeld sein Lebenswerk mit dem Medium Radio verbunden. Über mehr als vier Jahrzehnte haben die von ihm entwickelten Stoffe und Formideen das deutschsprachige Hörspiel positiv beeinflusst und fortentwickelt. Am Anfang stehen die sozialkritischen Töne der 1960er und 1970er Jahre, die Wiedfeld durch das Einbringen selbsterfahrener Wirklichkeiten erdet. Die darauf folgende Schaffensphase ist geprägt durch eine stetige Erweiterung der literarischen Ausdrucksmittel. Neben Ausflügen in die Erzählmuster der Detektivgeschichte und der Science Fiction stehen spielerische Versuche mit Bildwelten des Surrealismus. Die großen Hörwerke des letzten Jahrzehnts bringen die bisher entwickelten Werkzeuge souverän zur Geltung. Es entstehen ebenso komplexe wie dichterisch intensive Versuche einer akustischen Weltdeutung, die nicht zuletzt die technischen Möglichkeiten des Mediums Radio bis an die Grenze herausfordern. Wiedfelds Hörspiele spiegeln deutsche Zeitgeschichte - im Großen wie im Detail - wie es selten bei einem Hörspielautor zu beobachten ist. Der von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig ausgeschriebene Günter-Eich-Preis setzt zwei Schwerpunkte. Es handelt sich um einen Autoren-Preis und er wird für ein Lebenswerk vergeben. In beiden Hinsichten scheint die Entscheidung für Hubert Wiedfeld geradezu zwingend, sie fiel mit großer Mehrheit. Vorgeschlagen wurde der Autor vom Westdeutschen Rundfunk. Die Jury erinnert ausdrücklich daran, dass der gleiche Vorschlag bei früheren Ausschreibungen auch vom Hessischen Rundfunk und vom Norddeutschen Rundfunk kam. Schon bei den vorhergehenden Wettbewerben gelangte der diesjährige Preisträger in die engste Wahl."

Eberhard Petschinka

Der von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig ausgeschriebene Günter-Eich-Preis geht 2009 an den 1953 in Großmugl/Niederösterreich geborenen Eberhard Petschinka. Die Begründung der Jury: "Auch Wut und kritisches Engagement altern. Die literarischen Scharfrichter jeder Epoche müssen ihre eigene Formensprache finden. Dem Hörspielautor und Funkregisseur Eberhard Petschinka ist das auf überzeugende Weise gelungen. In seinen bislang nahezu 30 Hörspielen hat er eine Vielzahl zeitgenössischer Alltagsmythen auf den Prüfstand gestellt. Mit Klangwitz und analytischem Mut werden fragwürdige oder in Ritualen erstarrte Deutungsmuster erforscht und - wenn nötig - zum Einsturz gebracht. Sowohl als Autor wie als Regisseur versteht er sich als Teamworker, der in den jeweils durchleuchteten Erfahrungsfeldern nach Zeugen oder Fachleuten sucht, die er mit seinem explosiven Spott zur Mittäterschaft anstiftet. In einem seit Jahrzehnten andauernden Arbeitsprozess hat Eberhard Petschinka die akustischen Verführungsstrategien unserer Zeit für seine ironisch-bissigen Zwecke nutzbar gemacht. Ausgezeichnet wird ein Lebenswerk, das nach wie vor für Überraschungen gut ist."

Eberhard Petschinka, geboren 1953, lebt in Wien. Schriftsteller, Maler, Autor und Regisseur zahlreicher Radiostücke. Sein Hörspiel "Krok" wurde 1995 mit dem Prix Futura ausgezeichnet; "Rafael Sanches erzählt mir das Lied vom Tod" (1999) bekam den Hörspielpreis der Kriegsblinden und den Premio Ondas in Barcelona. Für "Splitter" (1999) wurde ihm der Baseler Hörspielpreis zuerkannt. Sein Theaterstück "Blutiger Ernst" wurde 2001 am Burgtheater in Wien uraufgeführt. Prosa: "zcirkus DERwünsche" - 2001 gekürt mit dem Preis der Karl Anton Stiftung für Literatur. 1999 Hinwendung zum Film ("Casanova Matador") und der Malerei (Einladung zur Biennale Concart 2004 in Bolivien und 2005 zur 4th International Art Biennale SIART, La Paz - Bolivien 2005). Sein Hörspiel "Santo Subito" (MDR/ ORF 2007) gewann 2007 den "Prix Europa" als "Bestes europäisches Hörspiel des Jahres" und 2008 den weltweit angesehensten Hörspielpreis "Prix Italia". Jury-Mitglieder waren die in Leipzig lebende Autorin und Journalistin Linde Rotta; der langjährige Bereichsleiter Wort/Hintergrund beim Schweizer Radio DRS 2, Martin Bopp; der Medienwissenschaftler Hans-Jürgen Krug; der Medienkritiker und stellvertretende Feuilletonchef des "Kölner Stadtanzeigers, Frank Olbert. Den Jury-Vorsitz hatte Christoph Buggert, bis 2002 Hörspielleiter am Hessischen Rundfunk. Weiterführende Informationen zum diesjährigen Preisträger Eberhard Petschinka finden Sie auf seiner persönlichen Homepage unter www.krok.cc.

Alfred Behrens

Alfred Behrens ist der erste Preisträger des Günter-Eich-Preises. Die Begründung der Jury: "Seit gut 35 Jahren hat der 1944 in Hamburg-Altona geborene Alfred Behrens das deutschsprachige Hörspiel mit erfrischenden und unkonventionellen Impulsen bereichert. Als wichtiger Wegbereiter und Schrittmacher des Pop-Hörspiels, des Originalton-Hörspiels, der Social-Science-Fiction sowie des Hörfilms hat er mit hohem Sprach- und Medienbewusstsein immer wieder nach neuen Ausdrucksformen des akustischen Erzählens gesucht. Dabei verzichten seine Manuskripte und Konzepte auf den schnellen technischen Gag, vielmehr handelt es sich um ideenreiche Forschungsreisen durch die akustischen Erfahrungsmuster der medial geprägten Welt. Schon früh entschloss Behrens sich, auch als Regisseur seiner Arbeiten tätig zu sein, seine Geschichten und Lebensprotokolle sind mit dem Mikrofon geschriebene Hörwerke. Wie wenige aus seiner Generation ist dieser Radiopoet bis heute ein unermüdlicher Erweiterer und Erneuerer der Hörspielkunst geblieben - wobei er sich darüber hinaus bemüht, sein Wissen und sein Können an jüngere Autorengenerationen weiterzugeben."

Jury-Mitglieder waren die in Leipzig lebende Autorin und Journalistin Linde Rotta, die den Anstoss zur Schaffung der "Schreibwerkstatt Radio" gegeben hat; der Medienkritiker Frank Kaspar; der Medienwissenschaftler Hans-Jürgen Krug; Konrad Zobel, bis Mitte 2006 Leiter der Abteilung Literatur und Hörspiel am Österreichischen Rundfunk. Den Jury-Vorsitz hatte Christoph Buggert, bis 2002 Hörspielleiter am Hessischen Rundfunk.