"Entscheidung für die Menschen und gegen jeden Effekt"

Axel-Eggebrecht-Preis 2026 geht an Marie von Kuck.

Leipzig, der 28. Mai 2026. Die Leipziger Feature-Autorin Marie von Kuck wird mit dem Axel-Eggebrecht-Preis 2026 der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig ausgezeichnet. Dies entschied die Jury unter Vorsitz von Ulrike Toma, NDR. Der Preis würdigt ein Lebenswerk im Bereich des Radio-Features und ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 2. Juli 2026 im Rahmen des Sommerfestes der Stiftungen der Sparkasse Leipzig auf dem Mediencampus Villa Ida in Leipzig, Sitz der Stiftungen, statt. Zum gleichen Termin erfolgt die Verleihung des Günter-Eich-Preises für ein Lebenswerk im Bereich Hörspiel, der in diesem Jahr an den Hörspielautor Hermann Bohlen verliehen wird.

Stephan Seeger, Geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung und Direktor Stiftungen der Sparkasse Leipzig, würdigt die diesjährige Preisträgerin: "Kaum eine Autorin hat in den vergangenen Jahren so viele herausragende Features zu den Themen Soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte produziert wie Marie von Kuck. Mit Arbeiten wie Ihre Angst spielt hier keine Rolle, Station 19 und Draußen steht sie ganz in der Tradition des Features, denjenigen eine Stimme zu geben, die selten gehört werden. Mein herzlichster Glückwunsch geht an Marie von Kuck für die absolut verdiente Auszeichnung und mein ebenso herzlicher Dank an die Jury für die ausgezeichnete Wahl."

"In der DDR-Wendezeit 1989 bin ich in Leipzig für Demokratie und Pressefreiheit auf die Straße gegangen. Dass ich Jahrzehnte später hier diesen renommierten Feature-Preis erhalten würde, hätte ich mir niemals vorstellen können – allerdings auch nicht, dass freie Presse und Demokratie einmal wieder so in Gefahr geraten könnten, wie heute", so die Preisträgerin Marie von Kuck, die vom Deutschlandfunk nominiert wurde: "Ich freue mich deshalb ganz besonders, dass mit dieser Auszeichnung auch die Kunst des differenzierten Hintergrundjournalismus in den Fokus gerückt und gewürdigt wird", so Kuck weiter.

Die Jury, zu der neben der Juryvorsitzenden Ulrike Toma auch Sabine Küchler (Redakteurin beim Deutschlandfunk) und Wolfgang Schiffer (langjähriger Leiter Hörspiel, Radio-Feature und Literatur beim WDR) zählten, begründete die Wahl wie folgt: "Das Herausstechende an der Arbeit von Marie von Kuck ist die Entscheidung für die Menschen und gegen jeden Effekt. Das macht sie zu einer Autorin des Zuhörens und ihre selbstlosen, hochherzigen Features aus." (Hinweis: vollständige Jury-Begründung am Ende dieser Meldung).

Zur Preisträgerin

Marie von Kuck, geboren 1971 in Leipzig, begann 1987 eine Berufsausbildung als Maschinen- und Anlagenmonteurin mit Abitur. Wenig später wurde sie in der DDR-Oppositionsbewegung aktiv. In der Wendezeit 1989 brach von Kuck ihre Ausbildung ab und ging 1990 nach Berlin. Nach verschiedenen Tätigkeiten in Psychiatrie und Pflege ließ sie sich schließlich zur staatlich anerkannten Ergotherapeutin ausbilden. 1997 studierte Marie von Kuck an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Puppenspiel und absolvierte 2017 eine Ausbildung zur Theatertherapeutin.

Für den Hörfunk schreibt Marie von Kuck Reportagen, Hörspiele und Radiofeatures, viele davon preisgekrönt. Sie wendet sich in ihrer journalistischen Arbeit mit kritischer Aufmerksamkeit vielfach Themen sozialer Ungerechtigkeit und den Menschenrechten zu, wie Volker Lilienthal 2019 in seiner Laudatio zur Verleihung des Otto-Brenner-Preises hervorhob. Als ein Beispiel nannte Lilienthal Polizeigewalt, die von Kuck ins öffentliche Bewusstsein gerückt habe, "als andere das heute fast modische Thema noch längst nicht entdeckt hatten".

In Anlehnung an ein Wort des evangelischen Publizisten Robert Geisendörfer würdigte er die Investigativ-Journalistin als "Stimme der Stimmlosen": "Sie holt die Übersehenen und Missachteten aus dem Schatten unserer Ignoranz." Weitere Themen ihrer journalistischen Arbeit sind Rechtsextremismus, Psychiatrie und Gewalt gegen Frauen.

Marie von Kuck wurde für Ihre Arbeiten mehrfach ausgezeichnet, so z. Bsp. mit dem Deutschen Sozialpreis 2012, dem 3. Preis des Otto-Brenner-Preises für kritischen Journalismus 2019, dem Prix Europa 2022 in der Kategorie "beste europäische Radio-Investigation des Jahres" und dem Robert-Geisendörfer-Preis 2023.

Zum Preis

Der Axel-Eggebrecht-Preis, der in Erinnerung an den gleichnamigen Radiofeature-Pionier vergeben wird, ehrt nicht eine Einzelsendung, sondern ein außergewöhnliches Gesamtwerk im Bereich des deutschsprachigen Radiofeatures. Bisherige Preisträger waren: Helmut Kopetzky (2008), Richard Goll und Alfred Treiber (2010), Friedrich Schütze-Quest (2012), Paul Kohl (2014), Margot Overath (2016), Alfred Koch (2018), Dr. Walter Filz (2021), Lorenz Rollhäuser (2022) und Franziska Sophie Dorau (2024). Der Preis wird alle zwei Jahre gemeinsam mit dem Günter-Eich-Preis für herausragende Hörspiel-Autoren vergeben.

Die Jury-Begründung

"Wenn es so etwas wie ein selbstloses, hochherziges Feature gibt, dann hat es Marie von Kuck erfunden. In nüchterner Gründlichkeit hört sie Menschen zu, die etwas zu erzählen haben - von Gewalt und Erniedrigung, Situationen und Erlebnissen, die einzelne Menschen, vielleicht Minderheiten, wahrscheinlich Frauen und Kinder, betreffen. Dabei geht es um häusliche Gewalt, Gewalt in der Geburtshilfe, Polizeigewalt, Obdachlosigkeit.

Marie von Kuck bringt diese Themen mit enormer Genauigkeit und aus weiblicher Perspektive ins Radiofeature: Ihre Angst spielt hier keine Rolle, Station 19, Draußen sind Beispiele für ihre Sendungen, die prägnant und klar von Themen handeln, die sonst zu häufig im täglichen Durcheinander und Rauschen der Informationsflut untergehen. Ohne Berührungsängste und verliebt in authentische Stimmen und Akustik, meidet sie jede Spielerei und vermittelt die Inhalte mit lediglich minimal-affektiver Verstärkung. Mit Herz und Verstand dokumentiert sie Leben, das nicht alltäglich ist und doch direkt in unserer Nähe stattfindet, gefühlvoll und mit maximalem Gerechtigkeitssinn beschreibt sie, was andere erleben und uns alle angeht.

Das Herausstechende an der Arbeit von Marie von Kuck ist die Entscheidung für die Menschen und gegen jeden Effekt. Das macht sie zu einer Autorin des Zuhörens und ihre selbstlosen, hochherzigen Features aus. Marie von Kuck, nominiert von der Feature-Abteilung des Deutschlandfunks, wird mit dem Axel-Eggebrecht-Preis 2026 ausgezeichnet."


Preisträger:
2026 - Axel-Eggebrecht-Preis