PM vom 12.09.2014: Erich Loest: Gedenken zum 1. Todestag

Am 12. September 2013 starb Erich Loest - bedeutender deutsch-deutscher Schriftsteller und Zeitzeuge, vielfach ausgezeichneter Ehrenbürger Leipzigs und Mittweidas. Anlässlich seines bevorstehenden 1. Todestages gedachten die Leipziger Sparkassen-Stiftungen und die "Gesellschaft Wettina e. V." ihrem Gründungsmitglied, Mäzen und Ehrenvorsitzenden Erich Loest mit Kranzniederlegungen an seinem Grab in Mittweida. Stephan Seeger, Direktor Stiftungen der Sparkasse Leipzig und Präsident der "Gesellschaft Wettina": "Erich Loest fehlt uns mit seiner unbeugsamen Wahrheitsliebe, seiner wissenden Erfahrung, seinem Mut, die Dinge beim Namen zu nennen, und nicht zuletzt fehlt uns sein subtiler, sich gern auch selbst persiflierender, gelegentlich schwarzer Humor."

Am Gedenken nahmen Linde Rotta, Loests' Lebenspartnerin, und Käthe Enge, seine ältere Schwester teil. "Erich war am Ende seines Lebens sehr resigniert darüber, dass sein letztes großes Projekt, die Hängung des Minkewitz-Bildes 'Aufrecht Stehen' in der Universität an immer neuen Hindernissen zu scheitern schien", erinnert sich Linde Rotta an ihren letzten Besuch bei Erich Loest im Universitätsklinikum - es sollte sein Todestag werden. "Durch Vermittlung des Leipziger Oberbürgermeisters Burkhard Jung scheint nun eine Lösung nahe. Bei aller Freude und Hoffnung darüber - wie traurig und schmerzlich, dass er den Tag der Hängung nicht miterleben kann."

Loest hatte das Bild "Aufrecht Stehen" beim Leipziger Maler Reinhard Minkewitz in Auftrag gegeben. Es erinnert an Angehörige der Leipziger Universität, die in den Jahren 1946 bis zu Beginn der 60er Jahre zu Opfern der politischen Umstände wurden: den 1951 von einem Sowjetischen Militärtribunal wegen antisowjetischer Propaganda zum Tode verurteilten und in Moskau hingerichteten Studenten Herbert Belter, den in Bautzen 1949 umgekommenen Studenten Walter Ihmels und seinen zu acht Jahren Haft verurteilten Kommilitonen Wolfgang Natonek, den ebenfalls inhaftierten Studentenpfarrer Siegfried Schmutzler und die beiden Professoren Hans Mayer und Ernst Bloch.

Ein erster, kleinerer Entwurf hängt heute im zum Museum umgestalteten Geburtshaus Loests’ in Mittweida, die zweite, größere Fassung schenkte er der Medienstiftung der Sparkasse, sie hängt im Mediencampus am Poetenweg. Am endgültigen Bild arbeitet Reinhard Minkewitz seit eineinhalb Jahren. Möglich wurde dies, weil Erich Loest und seine Lebenspartnerin Linde Rotta alle bisher entstandenen Kosten privat übernommen haben. Der noch fehlende Rest soll nun durch Spenden aufgebracht werden. Die Sparkasse Leipzig hat bereits eine namhafte Spende zugesagt. Dr. Rolf Jähnichen, ehemaliger sächsischer Landwirtschaftsminister und Vorstandsmitglied der "Wettina": "Loest war ein unbeugsamer und manchen unbequemer Mahner. Ich hoffe sehr, dass nun, ein Jahr nach seinem Tod, im Jahr des Gedenkens an den 25. Jahrestag der friedlichen Revolution, sein letzter Wunsch endlich in Erfüllung geht und das Werk 'Aufrecht Stehen' in der Universität Leipzig wider das Vergessen mahnt."