Medienpreisträger 2013

In der indischen Öffentlichkeit, bei internationalen Beobachtern und Kollegen vor Ort genießt Tongam Rina einen exzellenten Ruf, der sich sowohl auf ihre journalistische Arbeit als auch auf ihre persönliche Integrität gründet.

Zwar wird die Pressefreiheit in Indien von der Verfassung garantiert, das Beispiel Tongam Rina zeigt jedoch die akute Gefährdung kritischer Journalisten im Land: als Reporterin der "Arunachal Times" im Bundesstaat Arunachal Pradesh berichtet sie über Korruption innerhalb lokaler Behörden bei der Verteilung von Nahrungsmitteln, den fragwürdigen Bau von Staudämmen, Umweltskandale, militärische Operationen der extremistischen NSCN sowie die Situation von Frauen in Indien.

Am 15. Juli 2012 wurde Tongam Rina vor dem Redaktionsgebäude der Zeitung von Unbekannten niedergeschossen und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Derzeit ist Tongam Rina Gast der "Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte" und will von Deutschland aus weiter recherchieren.

Brigitte Alfter (Dänemark) und Ides Debruyne (Belgien) sind Initiatoren des "Journalismfund.eu". Die 2008 gegründete Organisation fördert europäischen, kooperativen Recherchejournalismus durch Recherche-Stipendien sowie die "European Data Harvest Konferenz" für Daten- und Recherchejournalismus.

Alfter und Debruyne erkannten den Bedarf an gründlichen Recherchen zu europäischen Themen, bei deren Bearbeitung Journalisten nicht durch Ländergrenzen behindert werden sollten. Die Stipendien der Organisation ermöglichen es Journalisten, in multinationalen Rechercheteams zusammen zu arbeiten. Beispiele für länderübergreifende Themen sind Menschenhandel, Missbrauch von EU-Geldern oder auch illegaler Waffenhandel.

Brigitte Alfter war Brüssel-Korrespondentin der dänischen Zeitung "Dagbladet Information" und Gründungs-Mitglied des dänischen "Scoop-Projektes" zur Förderung von Recherchejournalismus vor allem in Osteuropa. Ides Debruyne ist Managing Director des "Journalismfund.eu" und lehrt Journalismus an der Universität Gent.

Link zu "Journalismfund.eu"

Jörg Armbruster als ARD-Korrespondent und Martin Durm als SWR-Hörfunkreporter haben das Risiko auf sich genommen, unabhängig und authentisch vom Leid der Menschen im Bürgerkriegsland Syrien zu berichten, das für Journalisten derzeit neben Somalia als eines der gefährlichsten Länder der Welt gilt. Die Arbeit der beiden Journalisten ist nicht hoch genug einzuschätzen, da aus Syrien oftmals nur dubioses Bildmaterial aus zweiter Hand vorliegt, das auch manipuliert sein könnte.

Bei einer gemeinsamen Recherchereise für einen Dokumentarfilm im März 2013 gerieten sie in der umkämpften syrischen Metropole Aleppo in einen Hinterhalt. Armbruster wurde dabei schwer verletzt. "Unter Lebensgefahr berichten oder nicht? Dieses Dilemma ist in der Krisenberichterstattung unauflösbar", schreibt der NDR in einem ZAPP-Beitrag vom Juli 2012. Einerseits braucht die Gesellschaft verlässliche Informationen und Bilder über die Krise in Syrien, andererseits sollten sich die Reporter so gut wie möglich absichern.