"Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien" 2026 geht an russischen Investigativjournalisten Roman A. Dobrokhotov.
Leipzig, der 8. Oktober 2026. Der russische Investigativjournalist und Gründer der Internetzeitung The Insider Roman Alexandrowitsch Dobrokhotov wurde am heutigen Donnerstag auf dem Leipziger Mediencampus Villa Ida mit dem "Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien" ausgezeichnet. Der Preis wird von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig vergeben und würdigt Medienschaffende und Institutionen, die mit ihrer Arbeit unter hohem persönlichem Einsatz der Presse- und Meinungsfreiheit dienen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
Dr. Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Medienstiftung und der Sparkasse Leipzig, würdigte den Preisträger: "21 Jahre nach der Auszeichnung von Anna Politkowskaja und beinahe auf den Tag genau 20 Jahre nach ihrer Ermordung ehren wir mit Roman Dobrokhotov erneut einen russischen Journalisten. Seine Arbeit zeichnet sich aus durch seine journalistische Sorgfalt und durch die Relevanz, die seine Arbeit nicht nur für Russland hat, sondern international. Sein Anspruch, auch brisanteste Themen anzupacken und sich dabei nicht abschrecken zu lassen von Behinderungen und Repressionen, führt aus Sicht der Preisjury beispielhaft vor, was investigative journalistische Arbeit unter schwierigsten Bedingungen zu leisten imstande ist."
Roman Dobrokhotov lebt derzeit im Exil, die Preisverleihung fand unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Der Preisträger bedankte sich vor Ort in Leipzig für die Auszeichnung: "Ich bin nicht sicher, ob ich diesen Preis jetzt schon verdient habe. Ich nehme ihn entgegen als Vorschuss und stellvertretend für alle Journalistinnen und Journalisten, die immer noch in Russland tätig sind." Die Teilnehmenden der Preisverleihung mahnte er: "Demokratie und Freiheit sind Werte, die einem Land nicht einmal gegeben werden und dann auf ewig bleiben. Sie müssen immer wieder verteidigt werden. Am Beispiel meines eigenen Landes habe ich gesehen, wie einfach sie wieder genommen werden können, wenn man nichts dagegen tut. Ich glaube, wir leben in einem Moment, wo Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam die größten Anstrengungen unternehmen müssen, um diese Werte, um Demokratie und Freiheit zu erhalten."
Roman Dobrokhotov reiht sich ein in eine Phalanx russischer Preisträger in den vergangenen Jahren, beginnend mit Grigorij Pasko 2002 über Anna Politkowskaja 2005 und Oleg Kaschin 2011 bis Roman Badanin 2022. Die Jury hatte ihre Wahl unter anderem mit den eindrucksvollen investigativen Leistungen begründet, die Dobrokhotov und sein Team bei den Recherchen zum Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs MH17 über dem Donbass 2014, zur Hackergroup Fancy Bear, zu den Attentaten auf Sergej Skripal und Alexej Nawalny und zum Tiergartenmord in Berlin sowie zur Flucht des ehemaligen Wirecard-Managers Jan Marsalek erbracht hatten. Stephan Seeger, Geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, hatte im Rahmen der Bekanntgabe von Dobrokhotov als Preisträger erklärt: "Sein Lebensweg belegt, wie sich Russland in den vergangenen Jahrzehnten von einer vergleichsweise liberalen hin zu einer autokratischen Gesellschaft entwickelt hat, in der kritische Stimmen bedroht, zum Verstummen gebracht oder außer Landes getrieben werden."