"Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien" 2026 geht an russischen Investigativjournalisten Roman A. Dobrokhotov.
Leipzig, der 2. Juli 2026. Der russische Investigativjournalist und Gründer der Internetzeitung The Insider Roman Alexandrowitsch Dobrokhotov wird im Jahr 2026 mit dem "Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien" ausgezeichnet. Der Preis wird von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig vergeben und würdigt Medienschaffende und Institutionen, die mit ihrer Arbeit unter hohem persönlichem Einsatz der Presse- und Meinungsfreiheit dienen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet traditionell am 8. Oktober, dem Vorabend des für Leipzig so wichtigen 9. Oktobers 1989, als zehntausende Menschen auf der entscheidenden großen Montagsdemonstration nicht zuletzt die Freiheit der Meinung und der Presse forderten, auf dem Stiftungssitz des Mediencampus Villa Ida in Leipzig statt.
"Roman Dobrokhotov ist einer der profiliertesten unabhängigen Journalisten Russlands", erklärt Stephan Seeger, Geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig: "Sein Lebensweg belegt, wie sich Russland in den vergangenen Jahrzehnten von einer vergleichsweise liberalen hin zu einer autokratischen Gesellschaft entwickelt hat, in der kritische Stimmen bedroht, zum Verstummen gebracht oder außer Landes getrieben werden. Auch dort sind sie wie Dobrokhotov weiterhin vom langen Arm Wladimir Putins und seiner verbrecherischen Geheimdienste bedroht. Ich gratuliere Roman Dobrokhotov aus vollem Herzen zur Auszeichnung mit unserem Preis, den er einundzwanzig Jahre nach Anna Politkowskaja erhält, die am 7. Oktober 2006 in Moskau ermordet wurde", so Seeger weiter.
Roman Dobrokhotov reiht sich ein in eine Phalanx russischer Preisträger in den vergangenen Jahren, beginnend mit Grigorij Pasko 2002 über Anna Politkowskaja 2005 und Oleg Kaschin 2011 bis Roman Badanin 2022. Die Jury begründete ihre Wahl 2026 unter anderem mit Dobrokhotovs eindrucksvollen investigativen Leistungen wie etwa bei seinen Recherchen zum Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs MH17 über dem Donbass 2014, zur Hackergroup Fancy Bear, zu den Attentaten auf Sergej Skripal und Alexej Nawalny und zum Tiergartenmord in Berlin sowie zur Flucht des ehemaligen Wirecard-Managers Jan Marsalek, die Dobrokhotov und seine Kollegen unter schwierigsten Bedingungen gelungen waren.
Bis zum 28. Februar 2026 waren zahlreiche Vorschläge für Kandidaten für den Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien 2026 nominiert worden. Wie in den Vorjahren wurde die Liste der Nominierten wissenschaftlich begutachtet und geprüft. Anschließend wählte die Jury aus Stiftungsrat und Vorstand der Medienstiftung den Preisträger 2026.
Zum Preisträger:
Roman Alexandrovich Dobrokhotov wurde am 6. August 1983 geboren. Nach dem Schulbesuch in Moskau studierte er Politikwissenschaften am Staatlichen Moskauer Institut für internationale Beziehungen sowie an der Higher School of Economics in Moskau. Ab 2005 betätigte er sich zunächst politisch in den Bewegungen We und Solidarnost. Ab 2010 arbeitete Dobrokhotov als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Staatlichen Akademischen Universität für Humanwissenschaften, wo er Politikwissenschaften unterrichtete. 2011 gehörte er zu den Gründern der Partei des 5. Dezember, die sich aus Protest gegen das Ergebnis der Parlamentswahlen in Russland gebildet hatte. Über viele Jahre setzte sich Dobrokhotov für faire Wahlen in Russland, für die Freilassung politischer Gefangener und gegen die Wiederwahl Putins als Präsident ein.
Seine journalistische Karriere begann Dobrokhotov zwischen 2006 und 2008, wo er als Kolumnist und Leiter des Wirtschaftsressorts der Zeitung Novye Izvestia sowie als freier Mitarbeiter des Radiosenders Govorit Moskva arbeitete. Im gleichen Jahr startete er seine Arbeit für die Online-Zeitung Slon.ru. 2013 gründete Dobrokhotov die Online-Zeitung The Insider, die fortan insbesondere mit Recherchen zu Verwicklungen russischer Geheimdienste in nationale und internationale Kriminalfälle für weltweite Aufmerksamkeit sorgte. 2021 wurde The Insider in die Liste der Ausländischen Agenten des russischen Justizministeriums aufgenommen, was die Verfügbarkeit in Russland erheblich einschränkte. Seitdem erscheint das Online-Medium von Riga aus. Dobrokhotov selbst lebt heute im Exil.