Leipziger Medienpreis an Fahem Boukaddous, Stefan Buchen und Oleg Kaschin verliehen – Pressemitteilung zur Pressekonferenz 13.10.2011

“Es ist schlimm, wenn Journalisten ihre Grundrechte nicht ausüben können“

“Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien” wird in Leipzig vergeben: Auszeichnung für drei mutige Journalisten – Diskussion über ein künftiges Zentrum für Pressefreiheit

LEIPZIG. Der “Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien” wurde heute (13. Oktober) auf dem Mediencampus Leipzig an die Journalisten Fahem Boukaddous aus Tunesien, Stefan Buchen aus Deutschland und Oleg Kaschin aus Russland verliehen. Der mit insgesamt 30.000 Euro dotierte Preis wurde zum elften Mal durch die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig überreicht. Er zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich besonders mutig, couragiert und besonnen für die Presse- und Meinungsfreiheit eingesetzt haben. “Viele Journalisten auf der Welt müssen dafür kämpfen, frei und ohne Zensur berichten zu können. Das ist schlimm”, sagte Stephan Seeger, Geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig bei der heutigen Pressekonferenz. Viel schlimmer sei jedoch, dass sie dabei nicht nur um ihre Arbeit, sondern oft auch um ihre Gesundheit und ihr Leben fürchten müssten.

Kämpfen für Demokratie
“Die drei diesjährigen Preisträger zeichnen sich dadurch aus, dass sie trotz hoher persönlicher Einschränkungen nicht müde geworden sind, von Demokratiemängeln zu berichten”, lobte Stephan Seeger ihre schwierige Arbeit und ergänzte: “Presse- und Meinungsfreiheit sind Grundpfeiler einer Demokratie. Mich beeindruckt immer wieder, wie viele Journalisten tagtäglich den Kampf aufnehmen und sich für die Freiheit der Medien und eine freie Berichterstattung einsetzen.”

Ein Beispiel: Oleg Kaschin, der russische Enthüllungsjournalist, wurde im November 2010 vor seiner Wohnung in Moskau überfallen und brutal zusammengeschlagen. Trotz dieses Einschüchterungsversuchs berichtet er weiterhin nicht nur mutig über Unterdrückung in seinem Heimatland, sondern greift auch Sozial- und Umweltthemen auf. Sein wichtigstes Anliegen sei es, wieder normal als Journalist arbeiten und durch die Enthüllung von Missständen etwas bewirken zu können, sagte Oleg Kaschin bei seinem Rundgang durch Leipzig. Beispielhaft stehe für ihn die friedliche Revolution 1989, die zum Ende der DDR führte und ihren Ursprung in Leipzig hatte. Der Preis habe für ihn zwei Bedeutungen: Er sei für Russland ein Anlass, über die Themen nachzudenken, über die er berichte. Und zum anderen hoffe er, dass durch den Preis die Ermittlungen gegen die Täter, die ihn überfallen hätten, forciert werden und sie doch noch dingfest gemacht werden.

Fahem Boukaddous, ebenfalls Preisträger, gilt als eine Symbolfigur der Jasminrevolution in Tunesien in diesem Frühjahr. Bereits Jahre vor dem politischen Umbruch in Tunesien hat der 41 Jahre alte Journalist kritisch über die autokratische Herrschaft von Zine el-Abidine Ben Ali berichtet. Auch er hatte unter den Repressalien und der Unterdrückung des Regimes zu leiden. Fahem Boukaddous meint, er spreche vielen Tunesiern aus dem Herzen, wenn er sage: “Ben Ali hatte nicht ein Journalist umgebracht, sondern die ganze Presse im Land.” Umso mehr Anerkennung verdienen nach Meinung der Jury sein Wille und seine Stärke, nach Verurteilung und Haft weiterhin offen Ungerechtigkeiten in seinem Land anzusprechen. Die immer noch schwierige Situation in Tunesien braucht engagierte Demokraten wie Fahem Boukaddous, vor allem jetzt in der aktuellen Umbruchsituation.

Stefan Buchen ist für seine packenden Beiträge aus Krisenregionen bekannt geworden. Für die deutsche Bevölkerung ist er zum Inbegriff authentischer Berichterstattung geworden. Ob Libyen, Afghanistan, Iran oder Irak: Der 42 Jahre alte ARD-Fernsehreporter scheut keine Gefahren, um der Welt zu zeigen, was wirklich geschieht. Seine exzellenten Sprachkenntnisse eröffnen ihm den direkten Zugang zu den Menschen. Ihre Gefühle und Wünsche fließen in seine Berichte ein, was ihn zu einem der besten Auslandsjournalisten Deutschlands macht. “Wir freuen uns sehr, dass die Jury nach vielen Jahren auch wieder einen deutschen Journalisten ausgewählt hat”, betonte Stephan Seeger. “Für uns, die in Demokratie leben und eine freie Presse haben, ist es wichtig, die wahren Geschehnisse im Ausland zu erfahren. Stefan Buchen bringt sie uns auf erschütternd reale Weise nahe.”

Die Preisträger demonstrieren auf unterschiedliche Weise, wie wichtig es ist, sich für das Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit in jedem Land einzusetzen. “Wir verstehen unseren Preis auch als Appell an alle Regierungen, die Pressefreiheit zu achten und zu schützen”, sagte Stephan Seeger. Aus diesem Grund veranstaltete die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig am Nachmittag eine Podiumsdiskussion zum Thema “Lasst den Preisen Taten folgen – ein Zentrum für die Pressefreiheit.” Es wurde geleitet von Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Chefredaktion des Magazins Stern. Er hat bei der Verleihung des Preises für die Freiheit und Zukunft der Medien im vergangenen Jahr ein Zentrum für Pressefreiheit vorgeschlagen. Die Medienstiftung hat diese Idee aufgegriffen und will die Realisierung eines solchen länderübergreifenden Pressezentrums engagiert unterstützen.

Preis als Signal für die Welt
Seit 2001 zeichnet die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig Journalisten, Verleger und Medieninstitutionen aus aller Welt aus, die mit Beharrlichkeit und demokratischer Überzeugung für die Sicherung und Entwicklung der Meinungs- und Pressefreiheit eintreten. Der Preis soll auch die Erinnerung an die friedliche Revolution in Leipzig am 8. Oktober 1989 wach halten: Damals forderten die Demonstranten “eine freie Presse für ein freies Land.”

Vergabe nach klaren Kriterien
Auch in diesem Jahr wurden die Preisträger nach klar definierten Kriterien ausgewählt. Der Nominierungsprozess wurde im Vorfeld von Dr. Martin Welker, Professor für Journalistik an der Universität Leipzig, und seinem Team begleitet. Die wissenschaftliche Gruppe um Professor Welker prüft die vorgeschlagenen Kandidaten für den Preis anhand eindeutiger Vergabemerkmale.

Die publizistische Leistung der Preisträger
• muss sich auf einen relevanten oder bemerkenswerten Gegenstand von allgemeinem Interesse beziehen,
• ist zugleich auch als ein Beitrag zur Stärkung der Pressefreiheit zu werten – etwa indem Widerstände überwunden wurden,
• brachte für den Publizisten auch persönliche Risiken,
• verlangte einen weit überdurchschnittlichen Einsatz an Zeit und Energie,
• ist von ausgezeichneter journalistisch-handwerklicher Qualität.

13.10.2011

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Stiftung

Wer die Entwicklung freier Medien fördern und unterstützen will, muss mehr als nur ökonomische und arbeitsmarktpolitische Aspekte im Blick haben. Bedeutung und Attraktivität entfaltet ein Medienstandort vor allem dann, wenn er für ein Klima steht, in dem die große Verantwortung der Medien für eine freie Gesellschaft als Verpflichtung und Herausforderung zugleich begriffen wird.

Die Sparkasse Leipzig möchte dazu einen Beitrag leisten und beschloss im Frühjahr 1999 die Gründung einer Medienstiftung. Die Stiftung wurde im Rahmen des Festaktes zum 175-jährigen Jubiläum der Sparkasse am 4. Mai 2001 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Förderung der Aus- und Fortbildung junger Menschen im Bereich der Medien. Dazu gehören die Vergabe von Leistungsstipendien, zum Beispiel im Rahmen des Leipziger Medienpreises, gezielte Projektförderungen und die Organisation von Veranstaltungen zur politischen Bildung, etwa zum Gedenken an die Friedliche Revolution 1989 in Leipzig.

Finanziert werden die Stiftungsprojekte aus den Erträgen des Stiftungsvermögens sowie durch Zuwendungen und Spenden Dritter.

Alljährlich schreibt die Stiftung ihren “Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien” aus. Sie vergibt außerdem den “Axel-Eggebrecht-Preis”, den “Günter-Eich-Preis” und die “Goldene Taube” (die frühere “Talent-Taube”).

Nikolaisäule (Andreas Lamm)

Skulptur “Nikolaisäule” als Symbol des “Preises für die Freiheit und Zukunft der Medien” (Foto: Andreas Lamm)

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Lehre und Forschung

Die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig engagiert sich insbesondere bei der Aus- und Weiterbildung im Bereich der Medien. Hierzu hat sie in enger Kooperation mit den ortsansässigen Hochschulen Institute gegründet, Initiativen und Projekte ins Leben gerufen und die für ihre Aktivitäten notwendige Infrastruktur geschaffen. Schwerpunkte ihres Engagements sind:

  • die “Leipzig School of Media gGmbH” (LSoM) mit ihren berufsbegleitenden akademischen Master-Studiengängen und Seminar-Programmen,
  • das ” Europäische Institut für Journalismus- und Kommunikationsforschung e. V.” (EIJK) mit europaweit vergebenen Stipendien,
  • Sonderveranstaltungen für Radio-Feature and Radio-Hörspiel

Entdecken Sie diese Bereiche durch den Besuch der weiterführenden Seiten und erfahren Sie mehr über das Förderspektrum der Medienstiftung.

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Presse

Verleihung des Preises für die Freiheit und Zukunft der Medien 2017

Impressionen

(alle Fotos: Medienstiftung/Volkmar Heinz)

Preisverleihung 2017 (v.l.n.r.): Leipzigs Oberbürgermeister und Stiftungsratsvorsitzender der Medienstiftung Burkhard Jung, Ilkay Yücel (Schwester des Preisträgers Deniz Yücel), Preisträgerin Asli Erdoğan, Festredner Werner Schulz, Dr. Harald Langenfeld (Vorstandsvorsitzender der Medienstiftung und der Sparkasse Leipzig) und Stephan Seeger (Geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung und Direktor Stiftungen der Sparkasse Leipzig).

Dr. Harald Langenfeld begrüßte die Gäste der Preisverleihung auf dem Mediencampus Villa Ida.

Für die musikalische Umrahmung sorgte die Pianistin Serra Tavsanli.

Oberbürgermeister Burkhard Jung während seines Grußwortes.

Die diesjährige Leipziger Rede zur Medien- und Pressefreiheit hielt Werner Schulz, langjähriger Bundestags- und Europaparlamentsabgeordneter von Bündnis 90/Grüne.

Preisträgerin Asli Erdoğan konnte ihren Preis selbst entgegennehmen.

Ilkay Yücel, Schwester von Preisträger Deniz Yücel, nahm den Preis stellvertretend für ihren inhaftierten Bruder entgegen.

Ilkay Yücel und Asli Erdoğan nach der Preisverleihung.

Ilkay Yücel, Asli Erdoğan und Werner Schulz.

Stephan Seeger, Dr. Harald Langenfeld, Ilkay Yücel und Asli Erdoğan während der Pressekonferenz am Vormittag des 6. Oktober.

Ilkay Yücel und Asli Erdogan nach der Pressekonferenz.

Christoph Wonneberger und Roland Jahn (beide Preisträger aus 2014).

v.l.n.r.: Stiftungsdirektor Stephan Seeger, Roland Jahn (Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR), Linde Rotta und Michael Czupalla (Landrat a. D. des Landkreises Nordsachsen).

Dr. Harald Langenfeld (rechts) im Gespräch mit Roland Jahn und Klaus-Michael Rohrwacher (Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Völkerschlachtdenkmal e. V.).

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Leipziger Medienpreis

Die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig fühlt sich der Erinnerung an die Friedliche Revolution 1989 verpflichtet. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und ungehinderte Informationsbeschaffung durch eine freie unabhängige Presse waren zentrale Forderungen der Bürgerrechtler und der Demonstranten auf den Leipziger Montagsdemonstrationen.

Die Stelenausstellung “Orte der Friedlichen Revolution” des “Bürgerkomitees Leipzig e. V.” führen im Leipziger Stadtraum zu 20 Originalschauplätzen des demokratischen Aufbruchs 1989/90, an denen bedeutende Aktionen stattfanden, die zum Sturz der SED-Diktatur beitrugen (weitere Informationen finden Sie hier). Zudem gibt es die App “Leipzig ’89”, die einen GPS-gestützten Rundgang zu den 20 Stelen mit einem Audio-Guide in sechs Sprachen anbietet. Außerdem sind zu den einzelnen Standorten insgesamt über 300 Fotos, Dokumente und Videos abrufbar (zur App “Leipzig ’89” gelangen Sie hier).

Die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig unterstützt die Freiheit der Presse und damit auch die Erinnerung an den Herbst 1989 durch die jährliche Vergabe des “Preises für die Freiheit und Zukunft der Medien”.

Die Verteidigung der Pressefreiheit ist notwendiger denn je. Auch in freien Gesellschaften ist sie nicht ungefährdet: die Muster der Informationsunterdrückung werden subtiler.

Mit weiteren Preisauslobungen – wie der “Goldenen Taube” für den besten Dokumentarfilm eines Nachwuchstalents des Leipziger Dokfilm-Festivals (ehemals “Talent-Taube”), dem “Günter-Eich-Preis” und dem “Axel-Eggebrecht-Preis” – fördert die Stiftung kulturell und qualitativ anspruchsvolle Arbeiten in Schrift, Ton und Film.

Alle Preise der Medienstiftung sind unter dem Oberbegriff “Leipziger Medienpreis” zusammengefasst.

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Europäisches Zentrum für Presse- und Medienfreiheit

Es war auf dem Leipziger Medienkongress, den die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig aus Anlass des zehnjährigen Jahrestages ihres “Preises für die Freiheit und Zukunft der Medien” im Oktober 2010 veranstaltete, als Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Chefredaktion des STERN und Chefredakteur Sonderaufgaben Gruner + Jahr, die Idee eines Europäischen Zentrums für Pressefreiheit in Leipzig erstmals öffentlich ins Spiel brachte. Jörges hatte bereits 2009 die “Europäische Charta für Pressefreiheit” ins Leben gerufen, die von 48 Chefredakteuren und leitenden Journalisten aus 19 Staaten unterzeichnet wurde. Nun sollte ein Zentrum für Pressefreiheit als Umsetzungsinstrument für die Charta folgen.

Leipzig als Keimzelle der Friedlichen Revolution im Osten Deutschlands – hier demonstrierten im Herbst 1989 zehntausende DDR-Bürger gegen die Staatsmacht und forderten unter anderem die Freiheit der Medien – erschien als idealer Standort: mit der Medienstiftung gab es bereits eine Organisation, die sich seit Jahren für die Presse- und Medienfreiheit einsetzt. Die Stiftung knüpft insbesondere mit ihrem seit 2001 vergebenen “Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien” an den Leipziger Geist des Herbstes 1989 an.

Unmittelbar nach dem Kongress 2010 begann die Erarbeitung eines Grobkonzeptes als Grundlage für die Suche nach Unterstützern für das Projekt. Es galt u. a. eine Rechtsform zu finden, die dem Zentrum ein größtmögliches Maß an Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit garantiert. Mit der Kanzlei CMS Hasche Sigle konnte der Stiftungsvorstand einen auch im EU-Recht überaus versierten Partner gewinnen, der bereit war, das Projekt bis zu seiner offiziellen Gründung pro bono zu begleiten. Die Kanzlei CMS Hasche Sigle fand in der Europäischen Genossenschaft (SCE) die geeignete Rechtsform für das Projekt und erstellte einen Satzungsentwurf auf Grundlage der Voraussetzungen, die das Zentrum künftig erfüllen sollte.

Pressekonferenz_Brüssel_30.06.2015 (European Parliament)

Vorstellung des Projektes bei Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, in Brüssel (v.l.n.r.): Dr. Lutz Mükke (Projektkoordinator ECPMF), Hans-Ulrich Jörges (Gruner+Jahr), Maria Laura Franciosi (Ossigeno per l’Informazione), Martin Schulz (Europaparlament), Luisa Chiodi (Osservatorio Balcani e Caucaso), Dr. Harald Langenfeld (Medienstiftung der Sparkasse Leipzig), Margo Smit (VVOJ), Ides Debruyne (Journalismfund.eu), Stephan Seeger (Medienstiftung der Sparkasse Leipzig). Foto: EU-Parlament

Mit dem Europäischen Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (kurz: ECPMF) sollen die Streiter für Presse- und Medienfreiheit in Europa eine starke Stimme bekommen. Kernziel des Zentrums ist es, europäische Medienfreiheitsinitiativen und -akteure unter einem gemeinsamen Dach zu vereinen und ihre Aktivitäten zu koordinieren. Das ECPMF dokumentiert mithilfe seiner Mitglieder aus ganz Europa und der Mitarbeiter am Standort Leipzig europaweit Verletzungen der Pressefreiheit und die Verfolgung von Journalisten und informiert sowohl Öffentlichkeit als auch Politik über aktuelle und aufkommende Missstände.

Um das Projekt als europäische Initiative zu etablieren, war die Unterstützung seitens der Europäischen Union von herausragender Bedeutung. Hans-Ulrich Jörges, Christoph Keese (Senior Vice President Investor Relations and Public Affairs der Axel Springer SE) und Stephan Seeger, Geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung, fanden im Präsidenten des Europäischen Parlamentes, Martin Schulz, einen herausragenden Fürsprecher. Aus Gesprächen mit weiteren EU-Parlamentariern, stellvertretend seien hier EU-Vizeparlamentspräsident Alexander Graf Lambsdorff und Elmar Brok (Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten des EU-Parlamentes) genannt, entwickelte sich eine parteiübergreifende Unterstützung im Europäischen Parlament, welches schließlich im Rahmen der Haushaltsberatungen die für das Zentrum notwendigen Mittel in Höhe von einer Million Euro bereitstellte.

Unter der Voraussetzung einer Förderung durch die EU erklärten sich der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig ebenfalls zu einer finanziellen Förderung des künftigen Zentrums bereit. Mit der Zusage der Medienstiftung für eine finanzielle Förderung war die Grundlage geschaffen, die detaillierte Projektplanung als Voraussetzung für die Antragsstellung bei der EU-Kommission anzugehen und europaweit um Unterstützung bei journalistischen Organisationen, Institutionen und Hochschulen, die sich mit dem Thema Pressefreiheit befassen, zu werben. Hierzu bedurfte es fachkundiger Verstärkung des Stiftungsteams.
Bei der Suche nach einem geeigneten Projektmanager fiel die Wahl auf Dr. Lutz Mükke, welcher der Stiftung als ihr erster Promotionsstipendiat bereits bekannt war. Mit Erfolg machte sich Dr. Mükke an die europaweite Akquise von Projektpartnern. Parallel zur Akquise stand der detaillierte Konzeptentwurf im Zentrum der Arbeit. Neben den bereits erwähnten Förderern Freistaat Sachsen, Stadt Leipzig und Medienstiftung, sagte auch das Auswärtige Amt seine Unterstützung für das Projekt zu. Im Oktober 2013 konnte der Antrag fristgerecht an die EU-Kommission gesendet werden.

Zur Enttäuschung aller Beteiligter, vor allem auch der EU-Parlamentarier, erhielt der Leipziger Antrag 2013 keinen Zuschlag durch die ausschreibende EU-Kommission. Statt eines einzelnen Zentrums wurden verschiedene Projekte und Projektträger gefördert. Nichtdestotrotz entschied der Stiftungsrat der Medienstiftung auf Vorschlag des Stiftungsvorstandes 2014, nachdrücklich von Parlamentspräsident Schulz und den unterstützenden Parlamentariern animiert, am Vorhaben festzuhalten und eine zweite Bewerbung zu wagen. Das Projekt wurde erneut ausgeschrieben, das Konzept noch einmal überarbeitet und als neuer Antrag bei der Kommission eingereicht.

Im März 2015 kam schließlich die Nachricht von der EU-Kommission aus Brüssel, dass die Medienstiftung als Konsortialführer gemeinsam mit Partnern aus drei weiteren europäischen Staaten (Journalismfund.eu, Belgien; Institut für Europäisches Medienrecht, Deutschland; Ossigeno per l’Informazione und Osservatorio Balcani e Caucaso, beide Italien und die South East Europe Media Organisation (SEEMO), Österreich) den Zuschlag für das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (engl. European Centre for Press and Media Freedom) erhält.

Am 24. Juni 2015 fand in Leipzig die Gründungsversammlung der Europäischen Genossenschaft (SCE) mit der Wahl von Vorstand und Aufsichtsrat statt. Vertreter von über 20 europäischen Journalistenorganisationen, Medienunternehmen und -gewerkschaften sowie Medienwissenschaftler und -anwälte aus zahlreichen europäischen Ländern gehören zu den Gründungsmitgliedern. Die Organisationsform als Europäische Genossenschaft erlaubt Rechtsgültigkeit des Zentrums in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten sowie größtmögliche Unabhängigkeit gegenüber staatlichen Institutionen und zugleich direkte Teilhabe der mitwirkenden Organisationen und Initiativen an der Arbeit des Zentrums. Diese Teilhabe drückt sich unter anderem in den Gremien des ECPMF aus: Sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat gehören zahlreiche Vertreter wichtiger europäischer Pressefreiheitsinitiativen an. Die Arbeit des Zentrums wird am Standort Leipzig auf dem Mediencampus Villa Ida, dem Sitz der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, koordiniert.

Es entspricht der Förderphilosophie der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, dass das von ihr als Projektträgerin und Antragstellerin maßgeblich entwickelte und finanziell geförderte Projekt mit der Eintragung der gegründeten Genossenschaft in das Genossenschaftsregister und der damit einhergehenden vollen Rechtsfähigkeit in die eigenverantwortliche Unabhängigkeit übergeht. Die Stiftung wird das ECPMF auch in Zukunft im Rahmen ihrer Möglichkeiten nach Kräften unterstützen. Die Stiftung dankt der Kanzlei CMS Hasche Sigle, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, Herrn Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Hartwig Künckeler sowie dem deutschen Genossenschaftsverband in Frankfurt am Main für ihre kompetente und entgegenkommende Unterstützung.

Stephan Seeger
Geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig
Direktor Stiftungen der Sparkasse Leipzig

Weitere Informationen: www.ecpmf.eu und twitter.com/ECPMF

Mitglieder des ECPMF

  • Galina Arapova, Direktorin des Mass Media Defence Centre (MMDC), Russland
  • Mogens Blicher Bjerregaard, Präsident der European Federation of Journalists (EFJ)
  • Federica Delogu, Journalistin beim Ossigeno per l’informazione, Italien
  • Vesselin Dimitrov, stellvertretender Chefredakteur bei Forbes Bulgarien
  • Jodie Ginsberg, Chief Executive des Index on Censorship, Großbritannien
  • Nadine Gogu, Geschäftsführerin des Independent Journalism Center, Republik Moldau
  • Esad Hećimović, Investigativreporter und Redakteur bei OBN TV Sarajevo, Bosnien-Herzegowina
  • Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Chefredaktion des STERN sowie Chefredakteur Special Affairs bei Gruner+Jahr, Deutschland
  • Henrik Kaufholz, Mitbegründer und Manager von SCOOP, Dänemark
  • Christoph Keese, Senior Vice President der Axel Springer SE, Deutschland
  • Dr. Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Leipzig und der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, Deutschland
  • Gavin MacFadyen, Direktor des Centre for Investigative Journalism, University of London, Großbritannien
  • Răzvan Martin, Koordinator des FreeEx Program bei ActiveWatch, Rumänien
  • Anthony McNicholas, Senior lecturer an der Faculty of Arts, Design and Media, University of Westminster, Großbritannien
  • Kerstin Mey, Dekanin der Faculty of Arts, Design and Media, University of Westminster, Großbritannien
  • Dr. Helga Montag, Mitglied des Vorstandes von Journalisten helfen Journalisten e. V., Deutschland
  • Dr. Lutz Mükke, Hauptgeschäftsführer des ECPMF
  • Balázs Nagy Navarro, freier Journalist, Ungarn
  • Peter Noorlander, Geschäftsführer der Media Legal Defence Initiative (MLDI)
  • Prof. Dr. Stephan Ory, Direktor des Instituts für Europäisches Medienrecht (EMR), Deutschland
  • Dr. Georgios Pleios, Professor und Leiter der Abteilung Communication and Media Studies an der National and Kapodistrian University Athen, Griechenland
  • Vladimir Radomirovic, Chefredakteur von Pištaljka, Serbien
  • Renate Schröder, Direktorin der European Federation of Journalists
  • Stephan Seeger, Geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, Deutschland
  • Naser Selmani, Direktor der Association of Journalists of Macedonia, Mazedonien
  • Ljiljana Smajlović, Präsidentin der Journalists’ Association of Serbia, Serbien
  • Trine Smistrup, Projektmanagerin, Journalismfund, Belgien
  • Margo Smit, freie Investigativjournalistin, Ombudsfrau beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk NOS, Niederlande (vormals Direktorin der Dutch-Flemish Association of Investigative Journalists (VVOJ))
  • Martin Stoll, Präsident von Öffentlichkeitsgesetz.ch, Schweiz
  • Dr. Dirk Voorhoof, Professor für International Media Law, Gent University, Belgien
  • Oliver Vujovic, Generalsekretär von SEEMO, Österreich
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Kontakt

Medienstiftung der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig

Menckestraße 27
D-04155 Leipzig

Tel.: +49 341 – 5629 661
Fax: +49 341 – 5629 663
info(at)leipziger-medienstiftung.de

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Mediencampus

Das von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig errichtete Gebäude im Stadtteil Gohlis bildet mit der historischen Villa Ida, dem eigentlichen Stiftungssitz, ein interessantes Ensemble, das Altes mit Neuem verbindet.

Der “Mediencampus Villa Ida” ist Sitz der “Leipzig School of Media” (LSoM), einer Tochtergesellschaft der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig. Die LSoM ist das Kompetenzzentrum für akademisch fundierte Weiterbildung im Bereich Crossmedia. In Masterstudiengängen sowie Kursen und Schulungen bildet sie auf einem exzellenten wissenschaftlichen Niveau berufstätige Arbeitnehmer und Medienschaffende aus Agenturen, Redaktionen, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen berufsbegleitend weiter. Die Angebote werden in Kooperation mit der Universität Leipzig und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) organisiert und betreut. www.leipzigschoolofmedia.de

Darüber hinaus steht der “Mediencampus Villa Ida” als moderner und exklusiver Veranstaltungsort für Workshops, Seminare, Tagungen und Empfänge für bis zu 240 Personen zur Verfügung. Der “Mediencampus Villa Ida” ist nach dem Baukastenprinzip konzipiert worden. Die beiden Veranstaltungssäle im Erdgeschoss und zwei der drei Seminarräume im ersten Obergeschoss sind durch mobile Wände getrennt, die sich bei Bedarf schnell entfernen lassen. Für Ihre Veranstaltungen können wir so die optimalen Voraussetzungen schaffen, egal ob konzentrierte Seminaratmosphäre, repräsentatives Plenum oder Festveranstaltung.

Unsere Räume sind mit modernster Präsentationstechnik ausgestattet. Die organisatorische und technische Betreuung Ihrer Veranstaltung wird durch unser kompetentes Team gewährleistet. Für die Übernachtung vor Ort stehen den Dozenten, Referenten, Studenten und Ihren Gästen vier Appartements zur Verfügung.

Das Hotel Michaelis Leipzig betreibt unser “Restaurant Campus” und ist zudem Exklusivpartner für das Catering aller Veranstaltungen. Ob Konferenz, Seminar oder Empfang – das Team des Hotel Michaelis Leipzig unterbreitet Ihnen gern ein entsprechendes Angebot.

Mediencampus Villa Ida
Hotel Michaelis

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